Gegnerische Charmeoffensive irritiert Herren 3 nachhaltig
Eine Woche nach dem letzten Heimspielspektakel gegen den HSV Sobernheim III sollte es zum ultimativen Highlight der Runde kommen. Die Partie beim SC Lerchenberg I würde für die Herren III des HSV Alzey noch einmal zu einem emotionalen ( dem emotionalen ! ) Höhepunkt der Punkterunde werden, da waren sich Alle einig. Da bedurfte es keiner zusätzlichen Motivation im Training, für diese Partien lebt man als Handballer, folgerichtig war das Angebot an Spielwilligen groß, selbst die „Flak von Heimersheim“ ( Thorsten Korfmann-Weyrich ) wollte sich die Partie nicht entgehen lassen. Dennoch galt es nach der vorausgegangenen Heimniederlage erst einmal mental neue Kräfte zu tanken. Keine psychologische Abwärtsspirale zulassen, dafür sorgte schon unser „MVdH3“ ( Guido Schmidt ). Jeder Spieler bekam Donnerstags im Training einen USB-Stick überreicht, auf dem seine sportlichen Highlights der zu Ende gegangenen Saison verzeichnet waren. Das Einige am darauffolgenden Freitagmorgen Mails schrieben das ihr Stick leer wäre, zeigt: Man soll sich nicht bedingungslos auf die Technik des 21. Jahrhunderts verlassen, allerdings gäbe es auch noch eine weitere Möglichkeit der Erklärung…..
Mittlerweile war auch durchgesickert, Lerchenberg hat wohl Probleme bezüglich der Spielkleidung. Beim Klassenleiter ging die Tage ein „Protestschreiben“ ein wonach ihre Trikots nach der Partie in Budenheim durch deren Harzaffinität völlig unbrauchbar geworden wären. Da kann ich nur sagen: „Freunde der Nacht und des ausgewiesenen Frohsinns“, da müsst ihr die Spielberichte der Herren 3 sorgfältig lesen. Das hatten wir uns schon gedacht und euch auch darauf hingewiesen, folglich: Wer nicht hören will muss kleben….
Was niemand zu diesem Zeitpunkt auffiel, oft verwässert die Eröffnung von Nebenkriegsschauplätzen den Blick auf das Wesentliche, das sollten wir aber erst viel später bemerken…
Also für den Sonntagmorgen den Wecker gestellt und den Ausdruck des persönlichen Biorythmus auf der beschwerlichen Anreise nochmal studiert. Rheinhessischer Schnürlregen begleitete uns nach Mainz, Befürchtungen dieser könnte hinauf auf den „Lerchenberg“ in Schnee umschlagen bewahrheitete sich Gott sei Dank nicht. Weder Schneeketten noch Spikes noch winterliche Kleidung hatten wir dabei, das hätte böse ins Auge gehen können. Für das nächste Jahr wird eine Anreise mit Übernachtung favorisiert, der Vorstand steht diesem Ansinnen positiv gegenüber. Das Gelände auf dem Lerchenberg war weiträumig abgesperrt, Mitarbeiter eines zu vernachlässigenden deutschen Fernsehsenders waren darüber „not amused“, eine Anfahrt für sie war nur über Ingelheim möglich.
Gut das der „HSV-Tross“ seine Durchfahrtserlaubnis leicht sichtbar hinter der Windschutzscheibe angebracht hatte. Vorbei an den fahnenschwingenden Fankarawanen war so eine stressfreie Anfahrt zu den freigehaltenen Spielerparkplätzen möglich. Auch ohne Parkplatzeinweiser klappte alles vorzüglich, nichts war zu hören und sehen von dem im Vorfeld als Hochsicherheitsspiel apostrophierten Ausnahmezustand in der Mainzer Landeshauptstadt. Dezent und mit dem nötigen Feingefühl sorgten die Ordnungskräfte im Hintergrund für einen geregelten Ablauf.
Immer noch Regen, aber die Gewissheit, wenn es auf der Fahrt zum Spiel gegen Lerchenberg geregnet hat haben wir noch nie verloren, den Einwand eines Schlaumeiers das es auf der Anfahrt nach Lerchenberg noch nie geregnet hat ging in der allgemeinen Konzentrationsphase unter.
Zum „SCL-Turnier“ war auf dem Wegweiser zur Halle ausgezeichnet. Turnier ?, falsche Veranstaltung ?, Ablenkungsmanöver ?
Unser König brachte es auf den Punkt. Egal ob Turnier oder nicht, wir sind gesetzt und greifen erst im Endspiel ein, das beruhigte die Anwesenden dann doch.
Nach einem leicht und lockeren Spaziergang wartete in der Halle die nächste Überraschung. Wir wurden von einem freundlichen gegnerischen Spieler mit einem „Guten Morgen“ begrüßt. Spätestens, allerspätestens, allerallerspätestens jetzt, hätte Jedem von uns klar sein müssen: Hier läuft was nicht mit rechten Dingen… . Das gab es noch nie und es sollte nicht das letzte Unikum bleiben.
Die Umkleidekabine bezogen, die Trikots angelegt und dann der bange Blick zu den Gegnern. Wir erinnern uns, deren Trikots seien unbrauchbar wurde uns „über Dritte“ suggeriert. Welcher Anblick würde uns nun blühen ?, wollten wir das wirklich sehen ?, freie Oberkörper deren gestählte Muskeln vor mehreren Jahrzehnten die Lebensgeister erschlaffen liesen. Es kam anders und es passte ins Bild, Trikotbekleided spulten die Gastgeber ihr Aufwärmprogramm ab, wieder so eine psychologischer Nadelstich der auf HSV-Seite umgehend diskutiert wurde, seine Wirkung aber wohl nicht verfehlte.
Unsere Konzentration war einfach nicht auf dem Level welche für ein solches Spiel von Nöten ist, Ausdruck dessen, „El Pulpo“ ( Andi Büchse ), welches unser Tor (be) hüten sollte verletzte sich bei seiner spektakulären Spielvorbereitung. Zusammen mit dem herbeigeeilten „Nordlicht“ (Torsten Hanzlik, als Ersthelfer fungierend) wurde versucht die aufgetretene muskuläre Dysbalance zu beheben, letztlich mit Erfolg, aber wieder so eine Unterbrechung im Endstadium der Konzentrationsphase.
Gut nur, das just in diesem Moment unser Ex-König Hans in der Halle erschien. Als moralische Aufbauhilfe hatte er 12 Flaschen eines Kaltgetränkes dabei, welches im Fernsehen mit dem Konterfei eines Segelschulschiffes der Bundeswehr warb. Wer die Lösung kennt und ein Sixpack dieser Marke gewinnen will ,schreibt bitte eine Mail an Hans Moritz: wilhelmbusch70@gmail.com, nicht teilnahmeberechtigt sind Spieler die an diesem Tag anwesend waren.
Und dann ging es tatsächlich los und die Lerchenberger zogen ihren ( vorerst ) letzten Trumpf. Völlig verdutzt standen wir da, jeder von uns wurde mit Handschlag begrüßt und ein „Guten Morgen“ gab es „on Top“ noch drauf. Du kannst dich vorbereiten wie du willst, du kannst Videostudium betreiben, Sondertrainingstage ansetzen, Gegner zu einem Freundschaftsspiel suchen die die Lerchenberger Spielweise verkörpern, aber…, was nützt das alles wenn du das Einmaleins der Psychotricks nicht verinnerlicht hast ?
Völlig paralysiert erlebten wir die ersten Spielminuten, jeder hatte seine eigene Sicht auf „die Dinge der letzten Stunden“ und jeder versuchte das Erlebte irgendwie zu verarbeiten.
Das die Gastgeber nach 3 Minuten mit 3:0 führten war somit erklärbar, ganz langsam erwachten die Herren 3 aber aus ihrer lethargischen Schockstarre. Nicht alles gelang sofort, aber im Fanblock wich die Skepsis, lautstark nach vorne gepeitscht nahmen die Herren 3 den Kampf an. Als unser MVdH3 beim 4:6 Rückstand einen Siebenmeter hielt war das der ultimative Weckruf für seine Vorderleute.
Jetzt war der HSV im Spiel, schwindelerregende Ballpassagen die Gegner und Mitspieler gleichermaßen verwirrten wie überforderten, fanden dann doch ab und zu einen Adressaten der versuchte das Spielgerät im gegnerischen Kasten unter zu bringen. Beim 8:7 Anschlusstreffer hatten die „Lercheberscher“ dann erst einmal genug und wollten den „Lauf“ der HSV-Angriffsmaschine mit einer Auszeit stoppen. Deren Erfolg damit ?, marginal, wenn das HSV-Schiff erst einmal auf Kurs ist, ist es schwer zu stoppen. Sechs Minuten vor der Pausensirene ( 9:8 ) griff dann der HSV zum gleichen Mittel. Die Auszeit sollte die Sinne noch einmal schärfen, noch einmal „alles raushauen“, noch einmal überwinden, noch einmal zeigen, dieses Duell im Mittelfeld der Tabelle kann nur einen Sieger haben.
Und jetzt zeigte sich dann doch die akribische sportliche Vorbereitung. Die unzähligen Steigerungsläufe durch die Alzeyer Weinberge kamen nun zum Tragen. im „Gegenstoßgewitter“ sah der SCL seine „Felle“ nachhaltig davon schwimmen. Das Pausensignal kam einer Erlösung der Gastgeber gleich, 9:11 führte der HSV, was sollte jetzt noch schief gehen ?, Einiges wie sich im Nachhinein herausstellte.
Die Fans, ob der Steigerung des HSV-Spieles, längst mit „ihren Lieblingen“ versöhnt, verbrachten die Pause bei Bratwurst und Bier zum Fachsimpeln an einem der zahlreichen Essens und Getränkestände die um die Halle postiert waren.
Die HSV-Spieler lauschten letztmals den Pausenworten des MVdH3. Und dann wieder raus, jetzt am Ball bleiben ( ein Wortspiel welches uns bei positiver Umsetzung vor reichlich Ungemach bewahrt hätte…… ). Die Gastgeber hatten sich nun besser auf das HSV-Spiel eingestellt, vielleicht lag es aber einfach daran, das die HSV-Crew grundsätzlich immer etwas Anlaufschwierigkeiten nach längeren Pausen hat. Positiv bleibt zu vermerken, in Spielminute 39 war beim 11:13 noch alles im Lot, noch….
Vier Minuten später schaute der HSV-Anhang ungläubig auf die Anzeigetafel, 15:13 stand da und dem „jugendlichen Zeitnehmer“ einen Eingabefehler zu unterstellen erwies sich als Trugschluss. Zwei Zeitstrafen für den HSV ( Korfmann-Weyrich und Hanzlik ) sorgten zwar für Diskussionsstoff aber eben nicht zur Beruhigung des jetzt etwas hektischeren „Geplänkels auf der Platte“. Wieder vollzählig nahm unser „Wanderwart“ ( Michael Müller ) sein Herz in beide Hände. Elfengleich schlängelte er sich durch das gegnerische Abwehrbollwerk, sein Unterarmgeschoss war unhaltbar und wurde vom gegnerischen Torhüter erst bemerkt als der Ball bereits wieder aus dem Tornetz ins Feld zurück befördert wurde, Spielstand 15:14
Der Gegner konterte zum 17:14 und jetzt wurde es zu der ( un ) erwarteten Nervenschlacht. Der HSV jetzt mit dem längeren Atem ?, offensichtlich ja. Bis zur 52. Spielminute war die Partie wieder gedreht, 17:18 und das Momentum auf unserer Seite. Wieder Ausgleich und postwendend die Führung ( 18:19 ) durch Dieter Jacob, welcher auf Rechtsaußen schulbuchmäßig frei gespielt wurde. 19:19 Ausgleich und 19:20 Führung ( Hanzlik/Siebenmeter ). Die Begegnung steuerte auf den epischen Höhepunkt zu. Jeder Pfiff des Unparteiischen wurde nun ausgiebig diskutiert, vorläufiger „Diskussionsgewinner“ waren aber die Gastgeber, die die Waagschale wieder in ihre Richtung bewegten ( 21:20 ). Letztes sammeln, Auszeit Lerchenberg bei Spielzeit 59:08, folglich auch Ballbesitz Lerchenberg. Was tun ? wir brauchen den Ball. Mittlerweile ersetzte der „Pressefuzzi“ ( Frank Stähr ) unseren völlig erschöpften und ausgepumpten „Wanderwart“ auf Linksaußen, ein Wechsel über den man noch lange sprechen wird. Die Losung hieß „Schussfalle aufbauen“, wenn möglich für einen der beiden Außen des Gegners. Anpfiff und die Erkenntnis, Theorie kann durchaus in der Praxis funktionieren. Der Rechtsaußen des Gegners nutzte die Freiräume die ihm unser „ Pressefuzzi“ gab und versemmelte die Torchance, es folgte umgehend ( 59:26 ) die Auszeit des HSV. Einen letzten Angriff hatten wir noch. Wir brachten, im Leistungshandball durchaus üblich, den siebten Feldspieler. Zwei Kreisläufer wurden in Position gebracht, der Rückraum sollte die finale Passentscheidung treffen.
Auf der Tribüne saß zu diesem Zeitpunkt niemand mehr, Fangruppen beider Lager hatten Sitz-gegen Stehplatz getauscht, unglaubliche Spannung und Dramaturgie brach sich ihren Bann, doch der ultimative Höhepunkt war noch nicht erreicht.
Wer trifft die finale Entscheidung ?, wer trägt sich in die Geschichtsbücher ein ?, wer hat die Coolness der „ruhigen Hand“ ?
Die Entscheidung traf unser „Pressefuzzi“ und es war eine durchaus diskussionswürdige Entscheidung. Sicherlich noch euphorisiert bezüglich der gelungenen Schussfallenumsetzung sollte jetzt die Krönung erfolgen. Er hatte sich für einen Pass zu unserem Kreisläufer Dirk Egner entschieden, grundsätzlich eine Idee mit der man leben kann. Problem hierbei, es bestand kein Blickkontakt zwischen den Beiden, als er dann bestand wurde es im Sichtfeld von Dirk „dunkel“. Die Einen meinten unser „Pressefuzzi“ hätte seinen eigenen Spieler abgeschossen, die Anderen gaben dem Kreisläufer die „Schuld“ ( zieht er seinen Kopf rechtzeitig ein wäre das ein Torschuss gewesen den der gegnerische Torwächter nie und nimmer hätte parieren können ), wieder Andere bemerkten das der „Beschluss der finalen Lösungsfindung“ sicherlich im Rückraum besser aufgehoben gewesen wäre.
Sei´s drum, die letzten Sekunden sicherten die Lerchenberscher den Ball, dann war es soweit, aus der Reporterkabine drang ein enthusiastisches „Aus, aus das Spiel ist aus“ nach draußen. Die Fans des SCL lagen sich freudetrunken in den Armen, die HSV-Spieler sanken zu Boden. Ein Spiel das in die Annalen eingehen wird, hatte einen Sieger gefunden den vorher nur Wenige auf der Rechnung hatten.
Trotzdem, in der Niederlage zeigt sich Größe. Autogramme für die Fans, eine Selbstverständlichkeit. Rede und Antwort stehen bei der Pressekonferenz im Brauhaus Engel in Ingelheim, auch das gehört dann dazu.
Die Herren 3 verabschieden sich damit aus der Spielrunde 2017/2018 gleiches gilt für „Die Presse“ die alle Partien mit der notwendigen journalistischen Freiheit begleitete. In der im September beginnenden neuen Runde wird aus den Herren 3 die „neue Herren 2“. Ein sportlicher Aufstieg den viele Sympathisanten weiter verfolgen wollen. Unter dem Motto: „Jetzt erst Recht, der nächste Classico soll zu unseren Gunsten entschieden werden“ fließt bereits seit letztem Donnerstag wieder der Trainingsschweiß. Die ersten Dauerkarten sind bereits wieder verkauft, auch bleibt Tippunwin als Generalsponsor für zukünftige Wallfahrten erhalten. Der Bekanntheitsgrad dieses Jungunternehmens hat sich im abgelaufenen Jahr signifikant erhöht, weitere Globalplayer denken über den Einstieg als Sponsor bei den Herren 2 nach.
Inwieweit die regelmäßige Leserschaft der Spielberichte auch im neuen Jahr regelmäßig mit Infos um das HSV-Paradeteam versorgt wird ist derzeit noch offen, die Vertragsverhandlungen sind diesbezüglich noch nicht final abgeschlossen.
Ebenso ist die Trainerfrage noch vakant, DANK gebührt deshalb auch von dieser Stelle unserem MVdH3 ( Guido Schmidt ) für sein Engagement während der Runde. Nach seiner Königswahl und der Regentschaft im Jahr 2015 dürfte dieses eine Jahr als Highlight in seiner Sportlerkarriere haften bleiben. Die vielfältigen Arbeiten im Hintergrund ( Trainingsgestaltung, Videostudium, psychologische Gespräche, Aufstellungspuzzle, u.v.m. ) fordern ihren Tribut. Ist es Zeit für einen hauptamtlichen Trainer ?, die Herren 2 arbeiten an der allgemeinen Professionalisierung. Guido möchte da etwas kürzer treten, bei den Herren 1 geht es diesbezüglich definitiv etwas geruhsamer zu, sportliche Drucksituationen werden dort überschaubarer bleiben.
Dennoch wird er hoffentlich weiterhin dem Kader der Herren 2 erhalten bleiben, der Konkurrenzkampf in der neuen Runde ( Punktomat sei Dank ) wird dort allerdings nie gekannte Sphären erreichen.
Die Jugend scharrt mit den Hufen, die Alten wollen „ihren Besitz“ wahren, es bleibt spannend und nicht Wenige können den Saisonstart kaum erwarten.
Bis dahin verabschiedet sich „DIE Presse“ in die wohlverdiente Sommerpause, den geneigten Lesern und allen Herren 3/ Herren 2 Sympathisanten wünschen wir sonnenverwöhnte Tage/Monate.
Für den HSV Alzey spielten:
Tor: Guido Schmidt und Andi Büchse
Feld: Volker Ahr (1), Dieter Jacob (3), Michael Müller (1), Dirk Egner (3/1), Ecky Hofrath (9), Thorsten Korfmann-Weyrich, Torsten Hanzlik (3/3), Frank Stähr